Finanzwissen

Finanzwissen ist für jeden wichtig – ganz besonders aber für junge Menschen! Und zwar unabhängig davon, welchen Stellenwert man Geld und materiellen Gütern bemisst. Die finanziellen Angelegenheiten von Kindern werden üblicherweise von den Eltern geregelt. Mit zunehmendem Alter steigt die Verantwortung für die eigenen Finanzen. Da ist eine grundsätzliche Orientierung wichtig. Wo aber anfangen und wie verschafft man sich einen Überblick darüber, was notwendig, wichtig, optional oder vielleicht sogar gefährlich ist?

Mit ein paar Dingen sollte sich jeder vertraut machen. Dafür ist meist gar nicht so viel Vorwissen nötig, wie Du vielleicht denkst. Einen Einstieg in die wichtigsten Themen haben wir hier kurz und knapp für Dich aufbereitet und mit Links zur weiteren Orientierung versehen.

I. Ein erster Schritt: Die private Finanzplanung

Wer eine private Finanzplanung aufstellt, legt eine gute Grundlage dafür, selbstgemachten Geldproblemen aus dem Weg zu gehen und den Überblick zu behalten. Sie ist weder Raketenwissenschaft noch Hexenwerk. In erster Regel reicht für den Start der gesunde Menschenverstand.

Behalte den Überblick über Deine Kohle.

⇒ Überblick schaffen: Einnahmen und Ausgaben

Für jede sinnvolle Finanzplanung ist es wichtig einen Überblick über die eigenen Ausgaben und Einnahmen zu haben. Dafür bietet es sich zunächst an, alle wiederkehrenden Einnahmen und Ausgaben aufzulisten. Je genauer, desto besser. Dazu gehören auf der Einnahmeseite Gehälter, z.B. aus Ausbildung oder Nebenjob, genauso wie Stipendien oder die finanzielle Unterstützung der Eltern. Auf die Ausgabenseite gehören alle Ausgaben, die Du regelmäßig selbst tragen musst, z.B. Kosten für Miete, Strom und Wasser (wenn Du eine eigene Wohnung hast), aber auch Kosten für Fitnessstudio, Handyvertrag etc. Dazu kommen variable Kosten für Verpflegung, Freizeitaktivitäten sowie kleinere und größere Anschaffungen. Sind diese Kosten zu hoch? Dann ist es immer lohnenswert, kritisch die eigenen Ausgaben zu überdenken: Was ist Dir wichtig, was brauchst Du wirklich, wo und was kannst Du sparen bzw. wofür „geht das Geld so weg“?

Stellt man diese Kosten den Einnahmen gegenüber, ergibt sich das finanzielle Kapital, mit dem Du die Finanzanlage angehen kannst.

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⇒ Risikoabsicherung: Der Rahmen jeder persönlichen Finanzplanung  

Ein finanzieller Schaden kann existentiell sein, wenn Ausgaben ins Unermessliche steigen. Daher kommt ohne eine Privathaftpflicht-Versicherung keiner aus. Diese Haftpflicht-Versicherung ist eine Risiko-Versicherung, wird also nur in einem von Dir versursachten  Schadensfall ausgezahlt, sodass Du den Schaden nicht aus eigener Tasche bezahlen musst. Sie kann für geringe Kosten abgeschlossen werden, ist aber von hoher Relevanz, weil sie existentielle Risiken absichert. Wichtig dabei: Es geht hier nicht in erster Linie um Kosten für die Brille oder das Handy, das versehentlich zerstört wird. Das kann zwar auch teuer und sehr ärgerlich sein, ruiniert in aller Regel aber noch nicht die finanzielle Existenz. Bei einem selbstverschuldeten Unfall mit Personenschaden kann das aber der Fall sein. Daher gilt: Eine Privathaftpflicht-Versicherung ist ein Muss! Bis zum Ende von Ausbildung und Studium können Kinder noch bei den Eltern mitversichert sein, wenn diese eine  Familienhaftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Frage dazu doch einmal Deine Eltern! Spätestens nach Ausbildung oder Studium solltest Du dann eine eigene Privathaftpflicht abschließen.

Ein weiteres existentielles Risiko für Berufstätige kann im Ausfall von Einnahmen liegen, zum Beispiel im Falle einer Berufsunfähigkeit. In diesem Fall greift zwar ein gewisser Schutz durch die gesetzliche Versicherung, in keinem Fall aber eine Volldeckung. Daher solltest Du Dich mit Möglichkeiten der zusätzlichen Absicherung, etwa durch eine Berufsunfähigkeits-versicherung, befassen.

Eine Entscheidung für zusätzlichen Versicherungsschutz ist, je nach Lebenssituation, individuell zu beantworten. Ein weiterer Schutz, etwa durch eine Risiko-Lebensversicherung wird üblicherweise relevant, wenn Kinder, Ehepartner und andere Angehörige maßgeblich von  Deinem Einkommen abhängig sind.

Du hast noch keine Kinder, bist ledig und kannst zusätzliche Versicherungen noch nicht finanzieren? Das sollte kein Grund sein, dem Thema Risikoabsicherung keine Aufmerksamkeit zu schenken. Es bietet sich eher an, das Thema dynamisch zu betrachten und bei Veränderungen der Lebensumstände den Versicherungsschutz anpassen.

Nicht übertreiben. Aber ernst nehmen. Versichere Deine Zukunft.

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  • checked4you - Das Online-Jugendmagazin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Überblick über Versicherungen, die für Azubis und Studenten wichtig sind.

 

=> Basis gelegt: Möglichkeiten prüfen und Abwägungsentscheidungen treffen

Ist ein Überblick über die persönliche Finanzsituation geschaffen und sind die wesentlichen Risiken, individuell auf die eigene Lebenssituation zugeschnitten, abgesichert? Dann kannst Du erste Überlegungen zur Geldanlage anstellen. Jede Form der Geldanlage liegt im Spannungsfeld von Faktoren wie Sicherheit, Renditeerwartungen und Verfügbarkeit. Je nach persönlichen Anforderungen eignen sich unterschiedliche Anlageformen. Hier gilt es Must-Haves zu beachten (z.B. Risiken zu streuen) und Abwägungsentscheidungen zu treffen. Ein paar Faustregeln, die in diesem Prozess für jeden gelten, noch vorab. Hast Du Schulden oder Dein Konto überzogen, ist die Tilgung mit Sicherheit die beste Wahl. Eine besser verzinste „Geldanlage“ ist schwerlich zu finden.

Du solltest bei der Geldanalage außerdem beachten, dass Du immer auf eine Notrücklage für unvorhergesehene Ausgaben zurückgreifen kannst, die sicher angelegt und jederzeit verfügbar sein muss. Hierzu bietet sich in der Regel ein Tagesgeldkonto an. Wenn Du die Geldanlage sehr langfristig, d.h. mit Blick auf den Ruhestand betreibst, findest Du am Ende des folgenden Kapitels „Vorsorge“ einige Tipps und weiterführende Informationen.

Du willst mehr wissen?

  • finanzenverstehen.de - verbraucherorientiertes und interessenunabhängiges Informationsangebot rund um Vorsorge und Finanzen: Basiswissen zum Thema Geldanlage
  • Wirtschaftswerkstatt.de – Die Bildungsinitiative der Schufa: Selbsttest zum Thema: Welcher Finanztyp bist Du?

 

II. Vorsorge: Überblick schaffen

Du kennst Deine Finanzen, hast die Ausgaben im Griff und die wichtigen Risiken abgesichert – Glückwunsch! Alter und Ruhestand liegen gefühlt noch Lichtjahre entfernt. Warum also jetzt noch mit der Altersvorsorge beschäftigen, wo doch das eigene Leben gerade richtig beginnt und das selbstverdiente Geld ungeahnte Möglichkeiten eröffnet? Leider ist die Vorsorge für das Alter ein Thema, mit dem man sich nicht erst kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter befassen sollte. Denn dann gibt es oft ein böses Erwachen und man muss feststellen, dass man seinen gewohnten Lebensstandard nicht halten kann. Hier gilt: Je früher, desto besser!

Aber es gibt doch die gesetzliche Rentenversicherung? Natürlich, allerdings funktioniert die nach dem Umlageverfahren: Wer arbeitet, zahlt mit seinen Rentenbeiträgen die Renten der  Ruheständler. Weil es immer weniger junge und immer mehr ältere Menschen gibt, können die Beiträge der Jungen keine  auskömmliche Rente mehr finanzieren. So soll das Rentenniveau bis 2030 auf rd. 44 Prozent des letzten Bruttoverdienstes sinken. Länger als bis 2030 plant die Politik noch nicht, aber klar ist, dass die Rente dann eher weiter sinken als steigen wird. Außerdem  wird die Rente individuell nach der eigenen Erwerbsbiographie berechnet. Wer längere Zeit nicht arbeitet, sei es wegen Ausbildung, Erziehungs- oder Pflegezeiten, Arbeitslosigkeit, freiwilliger Auszeiten, Krankheit oder Berufsunfähigkeit, erhält noch weniger staatliche Rente. Kurzum: Eine eigene zusätzliche Vorsorge für das Alter ist sehr wichtig! Deine voraussichtliche Rentenlücke kannst Du z.B. im Rentenlücken-Rechner des Deutschen Fondsverbandes BVI berechnen.

Nicht übertreiben, aber ernst nehmen. Vorsorge für deine Lebensgeschichte.

Für die private Altersvorsorge gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, die betriebliche und die eigenfinanzierte. Zur betrieblichen Altersvorsorge geben Dir die Personalabteilungen und Betriebsräte in Deinem Unternehmen Auskunft. Für die eigenfinanzierte Altersvorsorge haben wir Euch unten einige Tipps bereitgestellt. Wichtig bei langlaufenden Verträgen für die Altersvorsorge ist, dass die Beitragszahlungen möglichst durchgängig durchgehalten werden  können. Sonst drohen empfindliche Abschläge.  

III. Geldanlage/Vermögensbildung

Wenn die Finanzplanung und Risikoabsicherung die „Pflicht“ ist, ist die Geldanlage mit dem Zweck der Vermögensbildung sozusagen die Kür. Das Tolle daran: Man kann seine Ersparnisse für sich arbeiten lassen und Einkommen z.B. aus Zinsen und Dividenden erzielen. Wer die Erträge wieder investiert, kann dabei mit zunehmender Zeit die Rendite enorm steigern.

Albert Einstein sprach deshalb vom „8. Weltwunder“ des Zinsenszinsffektes. Dazu ein kleines Rechenbeispiel: Wer 5.000 Euro zu einem Zinssatz von 4 Prozent pro Jahr anlegt und die Zinsen nicht entnimmt, sondern wieder verzinsen lässt, erhält nach 5 Jahren 6.083 Euro. Nach 10 Jahren sind es schon 7.401 Euro, nach 20 Jahren 10.955 Euro. Richtig interessant wird es bei noch längerer Dauer: Nach 40 Jahren sind aus 5.000 Euro schon 24.005 Euro geworden, der Betrag hat sich also fast verfünffacht! Je langfristiger die Geldanlage, desto lohnenswerter ist sie in der Regel. Und deshalb sollte man nicht erst mit 45 oder 50 Jahren für den Ruhestand vorsorgen, sondern besser schon mit 25 oder 30 beginnen. Dann kannst Du auch schon mit kleineren regelmäßigen Beträgen einiges erreichen. 

Bezüglich der Geldanlage sind die Deutschen meist sehr risikoavers und sparen beharrlich „falsch“, wie Prof. Rolf von Lüde an der Universität Hamburg ermittelt hat. Aufgrund tradierter Normen zum „richtigen“ Umgang mit Geld treffen sie oftmals teure Fehlentscheidungen, indem sie die Bedeutung der Vorsorge unterschätzen und sich vom Kapitalmarkt fernhalten.

Also ab an den Aktienmarkt? Grundsätzlich ist es eine gute Idee, sein Geld in Unternehmen anzulegen, denen man vertraut oder deren Produkte man kauft. Aber man sollte ein paar Regeln beachten: Riskantere, aber auch chancenreichere Geldanlagen kommen für das Geld in Frage, auf das Du notfalls mehrere Jahre verzichten kannst. Je chancenreicher eine Anlage ist, desto größer ist in aller Regel auch das Verlustrisiko. Du solltest aushalten können, dass die Börse keine Einbahnstraße ist, sondern Kurse nicht nur steigen, sondern auch längere Zeit fallen können. Dabei zeigt aber die Erfahrung, dass eine Anlage in Aktien umso sicherer und chancenreicher ist, je länger man sie durchhält. Das Deutsche Aktieninstitut berechnet regelmäßig das Renditedreieck , das zweifellos einen näheren Blick wert ist.

Zudem solltest Du nie das gesamte Geld an einem Zeitpunkt investieren oder in ein einzelnes Unternehmen stecken. Zur Risikostreuung bietet sich z.B. die Anlage in Investmentfonds in Form eines Sparplans bei einer Bank oder Versicherung an.

Du willst die Sache selbst in die Hand nehmen und eigenverantwortlich an der Börse investieren? Dann informiere Dich gründlich, z.B. bei den Börsentagen, die in vielen Städten wie in Hamburg stattfinden, durch Seminare, wie sie die Börse Hamburg und andere Wertpapierbörsen anbieten, durch Gespräche mit dem Bank- oder Finanzberater und durch Lektüre von Anlegermagazinen. Bleibe dabei kritisch bei allzu toll klingenden Tipps!  Wie man ein Depot anlegt und die erste Aktie kauft, erklärt z.B. Focus Money.

Im besten Fall findest Du dabei zugleich noch ein vielfältiges Hobby, das nie langweilig wird.

Ihr Ansprechpartner:

Jan Korte

Der Finanzplatz Hamburg e.V. engagiert sich für eine gute Finanzbildung von jungen Menschen. Hier stellen wir in einem kurzen Video Facetten zu Finanzthemen vor, die jeden etwas angehen. Das Video ist in Zusammenarbeit mit dem Slam Poet und Moderator David Friedrich entstanden. Das Video ist Auftakt eines Projekts des Finanzplatz Hamburg e.V. mit dem Ziel der allgemeinen Finanzbildung. Die Nutzung und Verbreitung des Videos ist willkommen, darf aber nur unter Angabe der Quelle www.finanzplatz-hamburg.com/finanzwissen erfolgen. Eine Nutzung zu kommerziellen Zwecken durch Dritte ist nicht gestattet. 

Ein Hintergrundinterview zum Video mit unserem Vorstandsmitglied und Vorsitzenden des AK Marketing, Dr. Reiner Brüggestrat, finden Sie auch im Bank Blog!

Weiterführende Links

  • Verbraucherzentrale Hamburg
    • u.a. Beratungsangebote und Infobroschüren zu Themen wie „Geldanlage und Altersvorsorge“, „Schulden, Kredit und Konto“
  • Handelsblatt macht Schule
    • u.a. Unterrichtsmaterialien, kostenlose Wirtschaftszeitung „Newcomer“, themenrelevante Handelsblatt-Artikel als E-Mail Service, Schülerwettbewerbe
  • My Finance Coach
    • u.a. verschiedene Trainingsmodule, die von sog. „Finance-Coaches“ im Klassenzimmer vermittelt werden
    • darüber hinaus Handbücher, Arbeitsblätter, Wettbewerbe, Quiz, Apps
  • FinGym
    • Trainings für finanzielle Fitness – eigene Finanzen ordnen und optimieren
    • Webinare, Präsenztermine und Wissenstests
    • Nicht kostenfrei
  • Wirtschaftswerkstatt
    • Bildungsinitiative der Schufa
    • u.a. mit einem „Ausbildungsspezial“ (Azubi-Checkliste, Quiz, etc.), Tests zum Finanzwissen, Ratgebern, Videos und Umfragen

Finanzwissen verstehen!

Es gibt eine Vielzahl von Webseiten die Informationen zur Finanzbildung beinhalten. Einige davon sind auf dieser Seite, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, zusammengestellt. Auf die Inhalte der hier aufgeführten direkt oder indirekt verlinkten Webseiten hat der Finanzplatz e.V. keinen Einfluss. Für die Richtigkeit der Inhalte ist immer der jeweilige Anbieter oder Betreiber verantwortlich, weshalb wir diesbezüglich keinerlei Gewähr übernehmen. Auch erhebt die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie hat rein informativen Charakter.

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