Der Autor:

Eric Wiese,
Geschäftsführer der NFS Hamburger Vermögen GmbH

Einige Fondsmanager dümpeln mit ihren Erfolgen trotz großer Anstrengungen stets auf Mittelmaß herum, andere gewinnen Weltklasseturniere.

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Privatanleger haben heute viele Strategien und Möglichkeiten, ihr Geld anzulegen. Die Wahl fällt nicht leicht: Aktien, ETFs und aktiv gemanagte Fonds sind da nur einige Alternativen. Der Vergleich von Fondsmanagern mit Tennisspielern zeigt:  Top-Performer gibt es nur wenige.

 

Die Welt der Kapitalanlagen ist bekanntlich schier unermesslich groß. Die Aktie als bekannteste und neben den Schuldscheinen auch älteste Anlageform, ist mit einer Zahl von weltweit rund 35.000 noch recht überschaubar.
Aber mit Zertifikaten, Derivaten, Futures und Optionen und so weiter geht die Zahl der Wertpapiere schon in die Millionen. Immer wieder tauchen neue, immer komplexere Angebote auf, welche die Quadratur des Kreises versprechen, nämlich Rendite ohne Risiko. Kein Wunder, dass dieses Thema den Privatanlegern aufgrund von
wiederholten Enttäuschungen zum Hals heraushängt. Der Effekt: Es gab noch nie so wenig Aktien- und Aktienfondsbesitzer wie heute.

Im Trend: ETFs
Seit einigen Jahren macht eine neue Anlageklasse von sich reden: Die ETFs oder Exchange Traded Funds. Dies sind passive Fonds ohne Fondsmanager, die täglich an der Börse gehandelt werden und einen bestimmten Index wie
den DAX oder Euro Stoxx mehr oder weniger genau abbilden, indem sie in die gleichen Wertpapiere mit der gleichen Gewichtung investieren. Vorteil dieser Fonds ist die schnelle Handelbarkeit und die sehr geringen laufenden Kosten.
Diese Fonds können durchaus ein sinnvolles Investment darstellen und sind daher bei Privatanlegern, besonders bei Selbstentscheidern, zusehends beliebter. Aber hier tritt leider ebenfalls ein Komplexitätsproblem auf: Waren 2003
noch überschaubare 100 ETFs in Deutschland im Angebot, waren es Ende 2015 schon 1.527 an der Zahl. Wer nicht nur auf ein Pferd, sprich Index setzen will, muss also mehr als einen Index wählen – da fängt die Qual der Wahl wieder an.

Doch lieber gemanagte Fonds?
Oder doch lieber einen herkömmlichen Fonds mit einem echten Fondsmanager nehmen? Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein Fondsmanager wählt aus den weltweit besten Wertpapieren und bündelt diese, für Anleger zugänglich, in einem Fonds. Aus Gesichtspunkten der Risikostreuung schon mal ein echter Gewinn. Das bietet auch der ETF, also Gleichstand. Entscheidend für die Investition in ETFs ist für viele Privatanleger folgende Aussage: 80 Prozent der aktiv gemanagten Fonds schlagen ihren Vergleichsindex nicht. Dies ist zwar richtig. Aber die Kunst ist es ja, diejenigen 20 Prozent zu finden, die ihr Geld wert sind.

Weltrangliste vs. Mittelklasse
Mit den Fondsmanagern ist es ähnlich wie mit den Tennisspielern: Einige dümpeln mit ihren Erfolgen trotz großer Anstrengungen stets auf Mittelmaß herum, andere gewinnen Weltklasseturniere. Talent und das richtige Näschen
spielen auch im Fondsmanagement eine große Rolle für den Erfolg. Die Fondsindustrie braucht also Talente und Leitwölfe für die gute Performance; diese lassen sich zudem auch hervorragend vermarkten, woraus schnell ein Personenkult entsteht. Natürlich erreichen Fondsmanager nie die Popularität von Tennisspielern wie Borg, McEnroe, Graf, Lendl, Nadal oder Federer. Aber Kennern der Investmentbranche sind einige Namen durchaus geläufig. Einst war es der Templeton Growth Fund, dessen Manager Sir John Templeton, gefolgt von Mark Holowesko, Erfolgsgeschichte schrieb. Die weitere Entwicklung dieses Fonds verblasste später ebenso wie die inzwischen recht zahlreichen, nachfolgenden Fondsmanager. Das Ganze ist für die Fondsgesellschaften recht zweischneidig. Denn wenn der Fondsmanager wechselt, ist dies für viele institutionelle Großinvestoren erst einmal ein Signal zum Verkauf.

Um dem etwas entgegenzuwirken, betonen die Fondsgesellschaften zumeist, dass hinter (oder neben) dem Manager auch ein großes und leistungsfähiges Team steht und man den oder die Fonds ohnehin immer im Teamansatz
führt. Aber es hat sich gezeigt: Teamansatz hin oder her, einer muss den Hut aufhaben und die Entscheidungen treffen. Genauer betrachtet, findet man heraus: Die gesuchten 20 Prozent Top-Fonds, die ihren Vergleichsindex schlagen, werden meist von talentierten Fondsmanagern geführt, die schlicht immer besser sind. Sogar, wenn sie die Fondsgesellschaft mal wechseln. Und diese Manager gilt es zu finden.

ETFs haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Sie machen das Leben aber nicht unbedingt leichter, gerade wenn es um die Auswahl der richtigen Fonds für die eigene Anlagestrategie geht. Ein paar gut gemanagte, herkömmliche
Fonds erfüllen ebenfalls durchaus ihren Zweck, aber auch hier gilt: Es kommt auf den Manager an. Ohne Talent geht es also nicht, im Tennis wie im Fondsmanagement.

Der Text ist dem Jahrbuch 2016/17 des Finanzplatz Hamburg e.V. entnommen.

 

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