Der Autor:

Dr. Torsten Teichert,
CEO der Lloyd Fonds AG

Sachwerte wie Immobilien werden immer stark nachgefragt.

Bei Vermögensaufbau und Altersvorsorge nur auf Lebensversicherungen und Sparbücher zu setzen, reicht heute nicht aus.

Deutschland – kein Land der Aktionäre? 2015 haben nur 4,41 Millionen Bundesbürger direkt in Aktien
investiert. In anderen Ländern sind deutlich mehr Menschen Aktionäre: in den USA 26, in Japan 28 Prozent. Doch auch hierzulande bietet die Aktiengesellschaft gerade für die Finanzierung von Sachwerten Chancen.

 

Vor etwa zehn Jahren gab es in Deutschland etwa ein Dutzend Aktiengesellschaften, deren Kern Immobilienbestand war. Die Zahl der Immobilienfonds lag dagegen in den Tausenden. Wenn man in Hamburg eine Bankfiliale betrat, konnte man Anfang des Jahrtausends oft das Plakat für einen neuen Schiffsfonds oder eine Immobilienbeteiligung sehen. Nur sehr selten aber die Werbung für einen IPO, den Börsengang. Die Gründe sind vielfältig.

Privatanleger sind zögerlich

Deutschlands Mittelstand entscheidet sich seit Jahrzehnten gern für die Struktur der Kommanditgesellschaft. Reale Sachwerte wie Schiffe, Immobilien, Windparks und Flugzeuge werden überwiegend in Gestalt einer GmbH & Co KG finanziert. So wurden Aktien bevorzugte Investments für institutionelle Anleger, während Privatanleger nach den beliebten KG-Fonds Ausschau hielten. Dabei gab es schon damals erfolgreiche Immobilien-AGs. Die in Hamburg beheimatete Deutsche Euroshop zum Beispiel investiert seit vielen Jahren in Einkaufszentren – mit großem Erfolg für die Aktionäre. Und auch die alstria office REIT AG ist inzwischen ein Schwergewicht im Immobilienbereich. Allerdings hat es lange gedauert, bis es mit Vonnovia eine Immobilien-AG in den DAX geschafft hat.

In anderen Ländern haben Aktiengesellschaften, die in Immobilien, Schiffe, Flugzeuge oder Windparks investieren, eine lange Tradition. Höchste Zeit also, dass wir in Deutschland das nachholen. Denn eine Investition in eine Aktiengesellschaft hat für den Anleger viele Vorteile: Von der gesetzlichen Regulierung über die regelmäßige Mitteilungsverpflichtung und der damit verbundenen maximalen Transparenz über die klar geregelten Aktionärsrechte bis hin zur täglichen Handelbarkeit. Nicht zu verschweigen die Abgeltungsteuer, die für die meisten Anleger unter den persönlichen Einkommensteuersätzen liegt.

Gutes Chancen-Risiko-Profil

Bei Vermögensaufbau und Altersvorsorge nur auf Lebensversicherungen und Sparbücher zu setzen, reicht heute nicht aus. Die Nachfolger der KG-Fonds, neue „Alternative Investment Funds“, bieten zwar auch den Vorteil strenger Regulierung; doch können ihre Anteile nicht jederzeit gehandelt werden. Ganz im Gegensatz zur Aktiengesellschaft. Deutsche Aktienfonds erzielten in den vergangenen zehn Jahren inklusive aller Fondskosten laut Fondsverband BVI im Schnitt 6,5 Prozent Rendite. Institutionelle Anleger setzen zumeist zu großen Teilen auf Aktiengesellschaften, da sie trotz aller Volatilität langfristig ein gutes Chancen-Risiko-Profil bieten.

Sachwerte wie Immobilien werden aktuell stark nachgefragt. Sie sorgen generell für Stabilität im Portfolio. Laut einer Studie von PWC soll der Anteil der Sachinvestments von 1,4 Billionen US-Dollar im Jahr 2013 auf mindestens 2,5 Billionen US-Dollar im Jahr 2020 steigen. Der Immobilienboom, der nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 kam, hält an: Noch heute übersteigt die Nachfrage das Angebot, besonders in den Metropolregionen. Einer Studie der LBS zufolge stiegen die Preise in den letzten fünf Jahren für Bestandshäuser im Hamburger Stadtgebiet um weitere gut 35 Prozent, im Hamburger Umland um rund 25 Prozent. Hier ist Handlungsbedarf dringend geboten. So entwickelt die Lloyd Fonds AG eine Aktiengesellschaft speziell für die Finanzierung von gefördertem Wohnungsbau, der in deutschen Großstädten dringend gebraucht wird. Um den politisch geforderten Bau neuer Sozialwohnungen zu ermöglichen, bedarf es angesichts der öffentlichen Schuldenbremse institutioneller und privater Investoren. Um Spekulationen zu vermeiden, ist für die Kommunen wichtig, dass die Sozialwohnungen von der Besitzgesellschaft langfristig gehalten werden. Die Aktiengesellschaft gewährleistet genau das. Und sie bietet öffentliche Transparenz.

Sachwerte-AG

Es ist an der Zeit, für die Finanzierung von Sachwerten viel mehr als bisher die Gesellschaftsform der AG zu nutzen. Vieles deutet darauf hin, dass wir in Zukunft mehr Immobilien-AGs haben werden. Für das Hamburger maritime Cluster sind nach dem Ende der Schifffahrtskrise neue Finanzierungswege erforderlich; die Schifffahrts-AG bietet hier große Chancen. Mit der Capital Stage gibt es in Hamburg eine der größten Aktiengesellschaften für Energieparks; es werden weitere hinzukommen. Und vielleicht werden neue Airbus-Flugzeuge bald auch über eine deutsche Leasinggesellschaft finanziert werden. Als die Eisenbahn-Barone im 19. Jahrhundert Schienennetze durch die USA bauten, konnten sie dies nur mithilfe enormer Finanzmittel tun. Die Eisenbahn-Aktie wurde zum Renner. In Deutschland blieb das Interesse an der Aktie bislang begrenzt. Nicht selten räsonieren Politiker und Ökonomen darüber, dass Deutschlands Mittelstand noch stärker kapitalmarktfähig werden müsse. Dabei spielen Aktiengesellschaften eine entscheidende Rolle. Wer hohe Milliardenbeträge für Wohnungsbau, Energieparks oder Transportmittel finanzieren will, wird mittelfristig an der Aktiengesellschaft nicht vorbeikommen. Die Hamburger Börse könnte ein besonderer Marktplatz für solche Asset-AGs werden.

Der Text ist dem Jahrbuch 2016/17 des Finanzplatz Hamburg e.V. entnommen.

 

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