Die Preisträger 2015

Sieger:
Prof. Dr. Patrick C. Leyens

Die Habilitationsschrift (Universität Hamburg) mit dem Titel "Informationsintermediäre des Kapitalmarkts: Private Marktzugangskontrolle durch Abschlussprüfung, Bonitätsrating und Finanzanalyse" besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil behandelt der Autor die Informationsintermediation am Kapitalmarkt und erörtert dabei umfassend deren rechtstatsächliche Entwicklung, ihre Behandlung in den Wirtschaftswissenschaften und die dazu international verfügbaren empirischen Untersuchungen, Erkenntnisse und offenen Fragen. Für seine rechtspolitische Ratio hinsichtlich Existenz, Rolle und rechtlicher Regulierung der Informationsintermediation stützt er sich auf eine intensive Evaluation der theoretischen und empirischen Literatur zur Funktionsweise von Finanzmärkten. Der zweite Teil behandelt die so genannte Gatekeeper-Rolle der Informationsintermediäre, also die Marktzugangskontrolle durch Dritte. Dabei widmet sich der Autor zunächst der Frage, inwieweit private Informationsintermediäre durch den Gesetzgeber regulatorisch in Dienst genommen werden können und wo Regelungsfolgepflichten entstehen. Die Analyse dient wiederum der Herausarbeitung eines Rechts der kapitalmarktrechtlichen Informationsintermediation, die im dritten Teil der Arbeit untersucht wird. Hierzu widmet sich der Autor zuerst den Vertragsproblemen der Informationsintermediäre, insbesondere der Intermediationsabsprache. In einem weiteren Schritt unterzieht der Autor die Haftung von Informationsintermediären auf Finanzmärkten einer umfassenden Analyse, bei der er rechtsvergleichende und rechtsökonomische Überlegungen mit einbezieht. Im Rahmen seiner Untersuchung entwickelt er schließlich rechtspraktische Gestaltungsvorschläge zum Vertrags-, Haftungs-, Regulierungs- und Berufsrecht.

 

2. Platz:
Forscherteam
Dr. Alexander Hillert
Dr. Heiko Jacobs
Dr. Sebastian Müller

In der Studie mit dem Titel "Media Makes Momentum" widmen sich die Autoren dem sogenannten Momentum-Effekt, der besagt, dass sich Renditemuster der jüngeren Vergangenheit tendenziell in der nahen Zukunft fortsetzen. Die Existenz dieses Effekts gilt zum Beispiel auch für den deutschen Aktienmarkt als gesichert. Über die Ursachen des Effektes gibt es jedoch trotz intensiver wissenschaftlicher Bemühungen bisher keinen Konsens. In der theoretischen Literatur werden primär zwei konträre verhaltenswissenschaftliche Erklärungen vorgeschlagen: zur Auswahl stehen einerseits eine langsame Informationsverarbeitung, also ein Unterreaktionsphänomen sowie andererseits systematische Verzerrungen im Entscheidungsverhalten von Investoren, wie ein übersteigerter Glaube an die eigenen Fähigkeiten, das heißt also eine Überreaktion. In ihrer Studie testen die Autoren diese beiden konkurrierenden Erklärungsansätze mithilfe eines eigens hierfür erstellten, umfassenden Mediendatensatzes, der rund zwei Millionen firmenspezifische Artikel aus 45 nationalen und lokalen US-amerikanischen Zeitungen in den Jahren 1989 bis 2010 umfasst. Im Ergebnis zeigen sie, dass Gewinneraktien der Vergangenheit ihre Renditeentwicklung insbesondere dann fortsetzen, wenn die Medien besonders häufig und positiv über diese Firmen berichten. Da dieser Effekt jedoch nicht permanent ist, sondern sich langfristig komplett umdreht, schlussfolgern die Autoren, dass der Momentum-Effekt primär eine Überreaktion darstellt. Sie liefern damit ein Beitrag, um die Preisbildung an Börsen und Handelsplätzen besser zu verstehen.

 

3. Platz:
Dr. Moritz Lukas

In seiner kumulativen Dissertation (Universität Hamburg) mit dem Titel "Household Borrowing and Behavioral Finance" zeigt der Autor, wie Erkenntnisse aus der verhaltensorientierten Finanzmarkttheorie dabei helfen können, das Verständnis von Kreditentscheidungen privater Kreditnehmer zu verbessern. Die Finanzentscheidungen von Individuen und privaten Haushalten haben im Aggregat substantielle Implikationen für Finanzinstitute, Regulierung und Finanzstabilität. Alle drei Studien seiner kumulativen Dissertation sind empirischer Natur und bauen auf einer neuen Datengrundlage auf, die mittels einer Umfrage, Laborexperimenten sowie Kooperationen mit Finanzinstituten speziell hierfür erhoben worden. Der Autor liefert u.a. eine fundierte Erklärung für die beobachtete, hohe Loyalität privater Kreditnehmer gegenüber ihrem Kreditgeber. Diese ist demnach weniger auf eine hohe Kundenzufriedenheit, sondern insbesondere auf zwei systematische Fehler zurückzuführen: Einerseits überschätzen Kreditnehmer die Kosten und unterschätzten den Nutzen eines Anbieterwechsels im Rahmen der Anschlussfinanzierung. Andererseits ist das Suchverhalten von Kreditnehmern abhängig von der Entwicklung der Zinssätze. So ist die Bereitschaft zum Anbieterwechsel nicht nur durch Zinsunterschiede zwischen Kreditgebern beeinflusst, sondern nimmt in einem steigenden Zinsumfeld signifikant gegenüber einem sinkenden Zinsumfeld zu.

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