Die Preisträger 2010

Sieger:
Dr. Lars Tegtmeier

In der Dissertation (Universität Hamburg, Prof. Drobetz) wird ein Index konstruiert, der die Wertentwicklung geschlossener Schiffsfonds unter Berücksichtigung aller Renditekomponenten misst. Mit Hilfe des Indexes werden Portfoliobetrachtungen durchgeführt und insbesondere die Bedeutung von geschlossenen Schiffsfonds für die Asset Allocation untersucht. Der Performanceindex für geschlossene Schiffsfonds schafft die Grundlage, die Wertentwicklung geschlossener Schiffsfonds in einer für Wissenschaft und Praxis gleichermaßen aussagekräftigen Form zu messen und zu dokumentieren. Mit Hilfe einer Faktorenanalyse – einem multivariaten Verfahren der Statistik – wird die Existenzberechtigung des Performanceindexes für geschlossene Schiffsfonds empirisch belegt. Der Index enthält Informationen, die in anderen Schifffahrtsindizes (Charterratenindizes, Schiffspreisindizes, Branchenaktienindizes der Seeverkehrswirtschaft) nicht enthalten sind. Zusätzlich werden mit einem Mehrfaktorenmodell die Faktorsensitivitäten der Renditen geschlossener Schiffsfonds gegenüber neun globalen makroökonomischen Risikofaktoren analysiert und mit denen anderer Anlageklassen (Immobilien, Private Equity, Infrastruktur und börsennotierte Unternehmen der Seeverkehrswirtschaft) und ausgewählten nationalen und internationalen Aktienmärkten verglichen. Im Ergebnis weisen die Renditen geschlossener Schiffsfonds im Vergleich zu den anderen Aktien- und Anlagemärkten erhebliche Unterschiede auf. Damit qualifizieren sich geschlossene Schiffsfonds als eigenständige Assetklasse und können einen wertvollen Beitrag in Bezug auf die Diversifikationsmöglichkeiten gegenüber den betrachteten globalen systematischen Risiken leisten.

 

Finalist:
Olaf Schnier

Der Aufsatz setzt sich mit der Refinanzierungsmöglichkeit der Schiffsbanken durch den Schiffspfandbrief auseinander und analysiert, inwiefern der durch die Wirtschafts‐ und Finanzkrise ausgelöste Einbruch der Frachtraten die Qualität dieses Wertpapiers beeinträchtigt. Der Aufsatz arbeitet heraus, wie eng die drei Rückgriffsstufen (schiffsfinanzierende Bank als Emittent, Schiffseigner als Darlehensschuldner, durch Schiffshypothek beliehenes Schiff) an den maritimen Märkten hängen und wie stark diese durch Krisen auf den Frachtmärkten getroffen werden. Für Investoren ist die Werthaltigkeit des Schiffs als letzte Rückgriffsstufe von Bedeutung. Um trotz der zyklischen Wertentwicklung von Gebrauchttonnage ausreichende Sicherheitspuffer im Deckungsstock zu haben, wurde die maßgebliche Schiffsbeleihungswertermittlungsverordnung (SchiffsBelWertV) 2008 novelliert und durch eine neue Höchstgrenze, welche auf den mittleren Schiffswert der letzten zehn Jahre abstellt, ergänzt. Ob diese den Pfandbriefinvestoren ausreichende Sicherheit bieten, wurde anhand von Second‐Hand‐Schiffswerten untersucht. Einerseits kann der Sicherheitspuffer bei Tankern und Schüttgutfrachtern als ausreichend bezeichnet werden. Andererseits übersteigen bei Containerschiffen die berechneten Restdarlehensbeträge die Werte der finanzierten Tonnage und die Investoren in Extremsituationen nicht vor Verlusten gefeit. Die Analyse deckt die besonderen Schwächen des Schiffspfandbriefs auf, die in dem engen wirtschaftlichen Zusammenhang zwischen Emittent, Darlehensnehmern und hypothekarischer Sicherheit begründet ist. Die empirische Untersuchung zeigt zwar, dass die SchiffsBel‐WertV geeignet ist, in der Mehrheit der Fälle ausreichend konservative Beleihungswerte zu ermitteln. Bei derart zyklischen Märkten wie den maritimen führt dies jedoch zu erhöhten Risiken im Vergleich zu den klassischen Pfandbriefarten.

 

Finalist:
Forscherteam
Prof. André Küster Simic
Prof. Stefan Prigge
Natalja Oborowskij

Das Projekt geht der Frage nach, wie gut die Bewertungsqualität der neu entstehenden Zweitmärkte für Anteile in geschlossenen Schiffsfonds ist. Dazu werden zwei Marktwerte für das von einem Fonds gehaltene Schiff zueinander in Beziehung gesetzt. Als ersten Marktwert kann man aus dem Abschlusskurs für Fondsanteile am Zweitmarkt berechnen, wie die Zweitmarktteilnehmer das Fondsschiff bewerten: Fiktiv werden das gesamte Eigenkapital des Fonds zum Abschlusskurs und das gesamte Fremdkapital zum Buchwert gekauft und die wenigen Aktiva, die der Fonds neben dem Schiff hält, zum Buchwert abgegeben. Der zweite Marktwert repräsentiert die Lage am internationalen Markt für gebrauchte Schiffe. Aus dem monatlichen Überblick des Schifffahrtsdienstleisters Clarksons über den Gebrauchtschiffmarkt lässt sich ein marktbasierter Wert für das von einem Fonds gehaltene Schiff ermitteln (Referenzschiff). Mit diesem Ansatz werden zwei Hypothesen überprüft: An einem Zweitmarkt mit guter Bewertungsqualität ist die Lage am Markt für gebrauchte Schiffe eine wesentliche Determinante für die Abschlusskurse am Zweitmarkt (Hypothese 1). An einem Zweitmarkt mit guter Bewertungsqualität sollten die Unterschiede zwischen Fonds- und Referenzschiff in die Abschlusskurse eingehen (Hypothese 2). Die Untersuchung umfasst 99 Transaktionen in 20 Einschiffsfonds an mehreren Zweitmarktplattformen zwischen dem 1.10.2007 und dem 31.3.2008. Zur Hypothese 1 ergibt sich, dass an einem Zweitmarkt mit guter Bewertungsqualität die Lage am Markt für gebrauchte Schiffe eine wesentliche Determinante für die Abschlusskurse ist. Die Überprüfung der Hypothese 2 zeigt, dass an einem Zweitmarkt mit guter Bewertungsqualität die Unterschiede zwischen Fonds- und Referenzschiff in die Abschlusskurse eingehen sollten. Zusammenfassend gilt, dass bewertungsrelevante Informationen eine wichtige Rolle in Abschlusskursen an Zweitmärkten spielen und die Handelbarkeit an liquiden Zweitmärkten mit guter Bewertungsqualität sowohl bedeutsam für Finanz- als auch für die Realwirtschaft ist.

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